Auftaucher (1999)

Ein fulminantes Tanzstück für 10 Tänzerinnen und Tänzer und 20 Rasseln

In ihrem Stück „Auftaucher” setzt Henrietta Horn ganz auf Atmosphäre: ein leerer Bühnenraum, 10 Stühle, 10 Tänzerinnen und Tänzer und 20 Rasseln fordern die Vorstellungskraft des Zuschauers heraus. Schon innerhalb von wenigen Minuten entsteht im Zusammenspiel von Bewegung, Licht und Rhythmus ein atmosphärischer Sog, der den Zuschauer in seinen Bann zieht. Die Bilder, die auf der Bühne entstehen, lassen der Phantasie und Interpretation des Betrachters freien Lauf.

„Auftaucher” lebt von der intensiven Spannung zwischen den Tänzerinnen und Tänzer, die für den Zuschauer fast greifbar ist. Henrietta Horn setzt starke emotionale Vorgänge in physische Bilder um. Spielarten des zwischenmenschlichen Miteinanders finden sich auf der Bühne wieder: das Umwerben der Geschlechter, Konkurrenz, Ablehnung, Eifersucht, Ungezähmtheit, aber auch Humor, Freude, Sinnlichkeit und Lebenslust.

Aus diesen Elementen entsteht ein wortloser Dialog der Körper, der geprägt ist von Dynamik, Rhythmik, Schönheit und Musikalität.

„Auftaucher” ist ein Feuerwerk an Bewegungen und Ausdrucksstärke, das dem Zuschauer manchmal den Atem stocken lässt. Ein fulminantes Tanzstück, das in seiner emotionalen Vielschichtigkeit den Betrachter 45 Minuten fesselt.

WAZ, 27. Oktober 2001, Michael Kohlstadt:
„[…] Henrietta Horn setzt dabei auf die Vorstellungskraft. Der morbide Charme eines Ballsaals, der schwüle Duft eines mediterranen Dorfplatzes, auf dem das Volk zwei Männer zum Kampfe antreibt – all das entsteht in den Köpfen der Zuschauer. Natürlich dank der Ausdrucksstärke der Essener Tänzer, die ihre exzellente Technik in der für den Folkwang-Tanz so charakteristischen Individualität erproben.“


Choreographie und Tanz: Henrietta Horn

Tänzer: Tanja Berg, Lisa Brus, Francisco Cuervo, Gabrio, Gabrielli, Soo-Yin Yim Heil, Francesco Pedone, Erika Pico, Manuel Quero, Franko Schmidt, Nandini Thomas

Musik: fanfare pourpour, Lalo Schifrin, Ondekoza, Fanfare Ciocarlia

Kostüme: Anne Bentgens

Lichtdesign/Technische Leitung: Reinhard Hubert

Tonbearbeitung und -technik: Thomas Wacker

Assistenz: Elvira Salomone

Produktionsleitung/Presse- und Öffentlichkeitsarbeit: Claudia Lüttringhaus

Dauer: 43 Minuten

Uraufführung: 26. September 2001, Jakarta

Stiftung Kunst und Kultur des Landes NRW, Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes Nordrhein Westfalens, Fonds Darstellende Künste e.V. aus Mitteln des Bundes


Pressetexte

TANZSPRACHE

Klaus Witzeling – tanzdrama 6/2001

…Vor eineinhalb Jahren wurde die 18-Minuten-Fassung von Auftaucher in Essen uraufgeführt, die erweiterte neue – gut um das Doppelte länger – feierte zum Finale des internationalen Festivals „Art Summit III” im Kulturzentrum Taman Ismael Marzuki von Jakarta Weltpremiere – und einen Überraschungserfolg beim Publikum.

…Hautnah war bei der Premiere von „Auftaucher” in Jakarta zu erleben, wie sich eine klug aufgebaute, mehrschichtig und musikalisch komponierte Choreographie durch die Situation am Spielort verwandelt, im speziellen Kontext neue Bedeutung gewinnt und vermittelt. Ihre Qualität erwies sich in der Offenheit für vielseitige Bildinterpretationen aus der Perspektive des Betrachters. Und ihr Erfolg bestätigte zudem auf schönste die immer wieder angezweifelte These von einer allgemeinen Verständlichkeit und Universalität der Tanzsprache.

EMOTION

Linda Hoemar Abidin – The Jakarta Post, 27. September 2001

What better way to close the Third Art Summit Indonesia 2001 International Festival on Contemporary Performing Arts than to present a world premiere filled with powerful imagery, subtle humor and soulfoul dancing by a young, ingenious choreographer?

… Horn’s Solo and Auftaucher present intensive plays of emotion with continuous shifts between meditative and explosives states.

AUFTAUCHER

Lilo Weber – Neue Züricher Zeitung, Ressort Feuilleton, 31. Oktober 2001

Die 1968 Geborene ist eines der hoffnungsvollsten Talente des deutschen Tanztheaters. Das bestätigt erneut ihr „Auftaucher”, ein Stück für zehn Tänzer und zwanzig Rasseln.

… Ein schönes, musikalisches, ein klug gebautes Stück, ein sehr tänzerisches und abstraktes auch, das vor allem durch seinen verhaltenen Witz an die Herkunft der Choreographin erinnert.

Morbider Charme

Michael Kohlstadt – WAZ, 27. Oktober 2001

…Henrietta Horn setzt dabei auf die Vorstellungskraft. Der morbide Charme eines Ballsaals, der schwüle Duft eines mediterranen Dorfplatzes, auf dem das Volk zwei Männer zum Kampfe antreibt – all das entsteht in den Köpfen der Zuschauer. Natürlich dank der Ausdrucksstärke der Essener Tänzer, die ihre exzellente Technik in der für den Folkwang-Tanz so charakteristischen Individualität erproben.

NÄHE, UND DISTANZ

Weimar; Folkwang-Gastspiel im DNT

Bodo Baake – TA, 22. April 2002

… Henrietta Horn komprimiert ihre Bilder aus einem ästhetischen Universum aus Raum und Licht, lässt sie aus Stille wachsen, innehalten und in schnellen Schritten und Gesten explodieren, die vom einen auf den anderen übergehen. Manchmal so als würde die Menge an einer Haltestelle beim Einfahren des Zuges in Bewegung geraten. Eben noch Ballsaal der Melancholie wird die Szene zum südländischen Volksfestplatz. In den beiden Männern im Zentrum bebt Zorn, doch sie stehen still. Der Kampf findet nur in den Köpfen der Zuschauer statt. Er ist unserer Fantasie anvertraut.

STRENGE UND AUSGELASSENHEIT

German Dance: „Solo“ und „Auftaucher“ auf der Bühne B 12

Marga Wolff – Taz Hamburg, 12. April 2002

„Auftaucher”, das zweite und Horns jüngstes Stück für die fünf Tänzerinnen und fünf Tänzer der Compagnie, lebt vom Kontrast zwischen minimalistischer Strenge und Ausgelassenheit. Phänomenal ist die Präzision in den dynamischen Bewegungen der jungen Tänzer. Die Frauen tragen lange Abendroben, die Männer treten in Hemdsärmeln auf. In den Händen halten sie kleine Rasseln versteckt, weshalb sie die ganze Zeit mit geballten Fäusten tanzen.

Gebannte Energie, die ständig auszubrechen droht. Überbordend spielt die Musik der Fanfare Ciocarlia zum Tanz auf. Die Tänzer schreien, gestikulieren und schlagen sich rhythmisch rasselnd auf die Schenkel. Ein Paar tanzt Tango mit herausfordernden, kurzen, wendigen Schritten, ohne sich je zu berühren. Zwei Kampfhähne stehen sich gegenüber. Einzig die Spannung ihrer Blicke zwingt schließlich einen von ihnen zu Boden.