Henrietta Horn

die ästhetik des stücks

 FAZ, 12. November 2013, Wiebke Hüster

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"Puristisch, archaisch, avantgardistisch: Mary Wigmans 1957 uraufgeführtes Ballett 'Le Sacre du Printemps' ist kongenial rekonstruiert worden."
„In Osnabrück stockte dem Publikum der Atem. Als würde man ein kostbares Tafelbild nach Jahren der Restauration mehrmals wieder der Öffentlichkeit präsentieren können, in frischen Farben, so wirkte ,Sacre': Alle Tänzerinnen tragen lange Rasta-Perücken und schlichte ockerfarbene Kleider, die Priesterinnen und die ‚Mütterliche Gestalt' graue Kutten und Hauben, die Männer Erdtöne. Die ‚Erwählte' aber, bei der Premiere von Hsiao-Ting Liao getanzt, sieht aus wie Martha Graham mit ihrer kirschroten, bodenlangen eleganten Robe. Getanzt auf einer Elipse, die wie eine auf der Bühne abgestellte stufenhohe aber nach hinten ansteigende Plattform aussieht, mutet die Ästhetik des Stücks zugleich archaisch und modern an – Strawinskys Idee sehr gemäß. [...] Das bezwingende finale Solo stammt nicht von Mary Wigman, auch nicht von der Originalbesetzung Dore Hoyer, sondern wurde aus Bruchstücken von Erinnerungen der Beteiligten, sorgfältigem Archiv-Studium aller schriftlicher Niederlegungen und Fotografien von Henrietta Horn imaginiert. Es ist so redlich gefertigt wie die ganze Rekonstruktion, die den Blick der Gegenwart auf Mary Wigman tatsächlich verändert, indem es sie als eine Modernere ausweist, als anzunehmen war."

 

 

Eine ...ehrgeizige Aufgabe, die die beiden häuser und das rekonstruktionsteam bravourös gemeistert haben

die-deutsche-buehne.de, 11. November 2013, Bettina Weber

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„Einzig mit Skizzen und Notizen Wigmans, mit Fotos und Erinnerungen damals beteiligter Tänzerinnen ausgestattet, hat das Team um die Künstlerische Leiterin Henrietta Horn in einem aufwendigen Rekonstruktionsprozess die Inszenierung für die Bühne ,zurück' erarbeitet. [...] Die Komposition Strawinskys, deren Herausforderungen das Osnabrücker Symphonieorchester unter der musikalischen Leitung von Daniel Inbal sich offenbar mühelos stellt, hat noch heute einen verstörenden Charakter, der auf wilde Art das Innerste des Menschen anzurühren vermag. [...] Dominant sind auch die langen Kostüme, die Ausstatter Alfred Peter den Originalen aus den Fünfziger Jahren nachempfunden hat, die aber durch futuristische Schnitte angemessen modernisiert wirken. Hsiao-Ting Liao, die im symbolisch blutroten Kleid in der Osnabrücker Premiere die Erwählte tanzt (die Besetzung wechselt), zentriert mit ungeheurer darstellerischer Kraft die Aufmerksamkeit auf das Opfer und tanzt die Figur mit großer Präzision und persönlicher Haltung. [...] Zweifellos ist hier ein Stück Tanzgeschichte vitalisiert geworden, das diesen Abend zu einem der wichtigsten des Sacre-Jahres 2013 macht. Eine wuchtige und ehrgeizige Aufgabe, die die beiden Häuser und das Rekonstruktionsteam bravourös gemeistert haben."

 

 

die gruppe bewegte sich wie aus einem guss

Neue Osnabrücker Zeitung, 11. November 2013

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„Er machte leicht Frösteln, der starke Sog der einigen Menge und der Musik, die das Opfergeschehen unerbittlich anfeuerte. Dabei tanzten das Osnabrücker und Bielefelder Ensemble, ergänzt durch einige Gäste, fantastisch: Die 29-köpfige Gruppe bewegte sich wie aus einem Guss. [...] Bleiche Anspannung im Gesicht der atemberaubenden konzentrierten Solotänzerin Hsiao-Ting Liao, krampfendes Schwanken ihres Körpers, ekstatische Drehbewegungen mit dem plötzlichen innehalten, wie es Mary Wigman praktiziert hat: Diesem von der Choreografin Henrietta Horn rekreierten einstigen Solo Dore Hoyers sieht man nicht an, dass es auf kaum mehr als Erinnerungen der Wigman-Tänzerinnen bauen konnte. [...]

 

 

ein erschütterndes dokument der nachkriegszeit

Berliner Zeitung, 18. November 2013

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Mary Wigmans „Sacre" ist ein erschütterndes Dokument der Nachkriegszeit. Gerade in seinem Versuch des Festhaltens dessen, was nicht zu halten ist, beschwört es einen unglaublichen Schrecken. Was für ein Kulturverlust die Nicht-Pflege des Tanzerbes bedeutet, macht dieser Tanzabend eindringlich deutlich.

 

 

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