Henrietta Horn

Cardoon Club

Eine Choreographie für die Rambert Dance Company in London

The Guardian, 11. November 2010

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... Selbst Horn, eine deutsche Choreographin und Leiterin des Folkwang Tanzstudios, gibt zu, dass sie nicht genau weiß, woher ihr abseitig-verführerischer Publikumsmagnet Cardoon Club eigentlich kommt. Cardoon – der Name einer exotischen Artischockenart – ist der perfekte Titel für diese surreale, stachlige und opulente Arbeit. Formal ähnelt sie einem Kabarett: Die Bühne hängt voller Vorhänge aus silbernen Perlen und die Tänzer tragen schimmernde fliederfarbene, limonengrüne und lachsrosa Kostüme, dazu Accessoires wie lange, blitzende Fingerverlängerungen, die dem Ganzen einen bizarren, geradezu außerirdischen Hauch von Glamour verleihen.

 

Horns Choreographie treibt den Exzess noch einen Schritt weiter: ein Spektakel aus Pin-up-Posen, Jazz, Hip-Hop und Busby Berkeley, unterstützt von Benjamin Popes augenzwinkernd-gewagter Collage aus Lounge-Musik der 1960er, Blues und Psychedelic Rock. Doch obwohl das Stück in seinem Possen-Pastiche schwelgt, sind die Hüftschwünge und Beinwürfe fest in einer strengen strukturellen Logik verankert, die Bewegungen manchmal auf reine Form und Muster reduziert. Als hätte der Minimalismus sich für eine Party feingemacht. Schlau, rigoros und lustig.

 

 

Psychedelischer Hochgenuss

Ismene Brown, Donnerstag 7. Oktober 2010, The Arts Desk

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... Henrietta Horns Cardoon Club ist eine brillante Entdeckung von Mark Baldwin, dem Leiter des Rambert, ein Stück von 2004 aus dem Pina Bausch Umfeld, das dem Rambert einen unwiderstehlichen Abschlussabend beschert, mit Design, bei dem einem die Augen übergehen, und mitreißender Musik. Cardoon Club ist ein überspannter psychedelischer Hochgenuss, wie ein furchtbar gemixter Tequila Sunrise, der die neue Rambertsche Tradition überschäumender Abschlussabende fortsetzt…

 

 

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