Henrietta Horn

 

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SCHIMMER & TREIBSCHATTEN

Zwei Tanzsoli von Henrietta Horn

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„Es gibt nichts Mysteriöseres als das Leuchten von Namen ...“ (Ingeborg Bachmann)

Treibschatten und Schimmer heißen die beiden aktuellen Stücke von Henrietta Horn. Im Mai 2009 präsentierte die Choreographin und Tänzerin ihr neues Solo Schimmer, im November 2009 hatte dann Treibschatten Premiere. Die beiden Stücke scheinen wie füreinander gemacht, obwohl es zwei eigenständige Soli sind.

 

Am Anfang ist Stille. Henrietta Horn tritt auf und sucht den Blickkontakt mit dem Publikum. Wie zufällig streicht sie die Haare zurück und entwickelt aus dieser scheinbar nebensächlichen Geste eine dichte Komposition aus Bewegungsfolgen und –richtungen. Musik von John Lurie erklingt bald nach Beginn des Solos. Es scheint als würden sich Musik und Bewegung wie zwei freie Geister umspielen. Ihre Choreographie gleicht der Musik als einer Kunst in der Zeit, erst am Ende hat das Publikum das Ganze vor Augen. Im ersten Teil steigert Henrietta Horn stetig das Tempo und die Intensität der Bewegungen und gelangt dann zu Stehen und Stille zurück. Treibschatten wirkt wie ein Palindrom, als könne es auch rückwärts getanzt werden. Was ist eigentlich ein Treibschatten? In der Lehre von Licht und Schatten gibt es keine Treibschatten. Treiben, das ist aktiv und passiv zugleich. Wir treiben uns herum oder wir lassen uns treiben. Aber da ist immer ein Impuls, der uns in Bewegung versetzt. Und die Schatten begleiten uns und die Dinge und spiegeln uns in immer neuen Dimensionen, je nachdem in welchem Licht wir gerade gesehen werden.

 

Am Anfang ist Farbe. Schimmer beginnt mit einer leeren Bühne. Ein mechanischer Farbwechsler lässt den Tanzboden in verschieden Farben erscheinen. Unüberhörbar ist das Geräusch, das beim Vor- und Zurückspulen der Farbrolle entsteht. Henrietta Horn tritt auf und es beginnt ein fantastisches Farb- und Kostümspiel. Je nach Bühnenlicht wechseln die Farben des Kostüms und damit die Erscheinung ihrer Trägerin und das Bild, dass wir uns gerade noch von ihr gemacht haben. Dann kommt ein Moment, in dem sie auf einem Hocker sitzt und die Hände im Schoß zusammenlegen will. Diese wie beiläufig wirkende Geste ist ein Impuls für die Choreographie. Immer wieder sind es alltägliche, dem zivilisierten Menschen abgeschaute Gesten, die Henrietta Horn aufgreift und künstlerisch mit Bewegung gestaltet. Die Farbchoreographie hat ihren Höhepunkt im Spiel mit farbigen Schatten. Darin bewegt sich die eine Person in immer anderen Farben und Formen. Später wird das Licht monochrom und der Farbwechsler ist zu hören, aber die Farbe wechselt nicht. Das ist der Auftakt zu einem Epilog in blau. Diese letzte Szene ist wie ein Solo im Solo. Ganz zum Schluss ist Stille und die Person auf der Bühne scheint sich ihrer Umgebung und des Publikums gewahr zu werden, tritt entschlossen auf uns zu – und verschwindet im Black, genau in dem Augenblick, wenn wir denken, wir könnten sie (er)fassen.


 

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SCHIMMEWelchen Bewegungsimpuls gibt welche Farbe?